Live bei Gyrig, Unnytz & Toyà

Mindestens ein halbes Jahrzehnt alt – in Zeiten des 2.0 etwas mehr als neun Ewigkeiten – und immer noch vielleicht nicht aktu-, aber zumindest originell:

Wir sind in Werbehausen. Genauer gesagt: Wir sind bei Gyrig, Unnytz & Toyà. Bei GUT wird Werbung gemacht. Kreative Werbung, gute Werbung, teure Werbung. Von GUT stammt der Superslogan “Esst Bananen”, der den Bananenumsatz in Deutschland nach oben katapultiert hat.

Viele Werbeagenturen haben versucht, diesen kreativen Geniestreich zu kopieren, aber Slogans wie “Trinkt Limo”, “Hört CDs” oder “Schnüffelt Klebstoff” waren nicht annähernd so erfolgreich.

Beim heutigen Meeting geht es darum, der Agentur einen 100-Millionen-Auftrag zu angeln. Für die Kreativen bei GUT eine echte Herausforderung. GUT-Building, 8. Stock, 14 Uhr, Konferenzraum, kurz Konfi genannt: Im Konfi stehen Designerstühle, Designertische und Designerkaffee. Es riecht nach Designerschweiß.

Delle, der Kreativdirektor, verteilt gerade das Rough (zu deutsch: sheet) eines Kundenbriefings an seine drei Topkreativen. Im Klartext: Jeder kriegt ein Blatt Papier.

Delle (520.000 Euro im Jahr, schwarzes Haar, schwarzes Sakko, schwarzer Rollkragenpulli): Unser Kunde will, dass wir Umu zur Nummer eins auf dem Markt machen.

Marina (240.000 Euro im Jahr, schwarzes Kostüm, blickdichte schwarze Strümpfe): Was kann denn dieses Umu?

Delle: Was jedes andere blöde Waschmittel auch kann.

Tom (will 300.000 Euro im Jahr, schwarzes Hemd, schwarze Hose): Hab noch zu wenig Input, mir kommt’s noch nicht.

Roland (180.000 Euro im Jahr, schwarze Jeans, schwarze Fingernägel): Warum muss ich eigentlich stehen?

Delle: Cool bleiben, Roland. Mein Feng-Shui-Berater hat gesagt, drei Stühle pro Raum sind genug, sonst ist der Energiefluss blockiert.

Marina: Ich hab’s! So geht’s: Generation Umu – Washpower for Germany!

Delle: Ist nicht schlecht, aber scheiße. Was meinst Du, Tom?

Tom: Weiß nicht, mir kommt’s irgendwie noch nicht. Bad Vibrations hier.

Roland: Marina kann doch auch mal stehen. Immer ich.

Delle schüttet den Inhalt einer 10 Kilo Packung Umu auf den Tisch, rollt einen Tausendeuroschein zusammen und schnupft eine Dosis, die für eine 60 Grad Wäsche reichen würde.

Delle: Wow! Viel besser als Ariel. Wollt Ihr auch mal von dem neuen Zeug hier probieren?

Marina: Nee, ich bin clean. Seit ich neulich an Megaperls fast erstickt bin, lass ich’s lieber.

Tom: Wenn’s mir nicht bald kommt, geh ich nach Indien. Ich hab da nämlich einen Kumpel in einem Erdloch, der war früher auch in der Werbung. Als Kreativdirektor bei Maier, Meyer und Meier.

Roland: Ich setz mich jetzt gleich auf den Tisch.

Delle: Warum nehmen wir nicht den Slogan, den wir von den Kopfschmerztabletten übrig haben?

Delle: Welchen?

Marina: Umu, und die Schmerzen sind weg.

Delle: Nicht schlecht, aber scheisse. Passt nicht zu Waschmittel. Was meinst Du, Tom?

Tom (murmelt): Hare Krishna. Hare Rama. Hare, hare.

Delle: Sehr mutig, wird aber dem Kunden nicht gefallen.

Marina: Also ich finde, wir sollten jetzt erst einmal bei den Basics anfangen. Was meint Ihr denn?

Delle: Gute Idee. Erinnere mich daran, dass ich Dein Gehalt verdopple. Also, die Basics: waschen, weiß, strahlen. Jagt diese drei Facts mal in euer Kleinhirn, und dann will ich einen spontanen emotional payoff.

Marina: Hey!

Delle: Was ist denn, Marina?

Marina: Roland hat sich auf meinen Schoß gesetzt.

Tom: Mir kommt es! Hare Umu. Hare Umu. Hare, hare.

Die Tür geht auf. Herr N’katananga (6.000 Euro im Jahr, schwarze Haut, blauer Kittel) kommt mit einem Putzeimer und einem Lappen herein.

Delle: Was ist das denn jetzt? Ich kann so nicht arbeiten.

N’katananga: Macht sauber!

Delle (total begeistert): Das ist es!

Marina: Was ist was?

Delle (frenetisch): Die Idee. Umu macht sauber!

Vielleicht stimmt die Geschichte nicht so in Gänze. Wahrscheinlich verdient Delle noch mehr.

….

(Nach meinen Informationen stammt dieser Text im Original von Elephant 7, aber ich billige auch jedem anderen das Urheberrecht zu.)

  • Veröffentlicht durch CEO um 09:43